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Einleitung

Welchen Zusammenhang haben Pädagogik und Philosophie zueinander? Welche Bedeutung haben sie für die Anthropologie? Anthropologie ist ein weitgreifender Begriff, der sich mit dem Wesen des Menschen und dessen Aufgaben in der Welt beschäftigt. Die Pädagogik als auch die Philosophie befassen sich als Gesellschaftslehren mit diesen wichtigen Bereichen der Anthropologie, die den Menschen kennzeichnen und von anderen Lebewesen unterscheiden. Der Mensch ist nämlich keine bloße biologische Konstruktion, die sich mit der Erfüllung seiner organischen Bedürfnisse zufrieden gibt. Der Mensch ist im Gegensatz zu den übrigen Lebewesen „weltoffen“ [1], d.h. er ist den Reizen und den Gefahren der Umwelt stärker ausgesetzt. Deshalb ist er gezwungen sich selbst zu reflektieren und vor den negativen Einflüssen zu schützen um sich selbst zu erhalten. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist es wichtig unter Bezugnahme der Pädagogik und der Philosophie das Seelenleben des Menschen zu untersuchen.

In den folgenden Ausführungen über das Zusammenspiel von Pädagogik und Philosophie im Bezug zur Anthropologie lenken wir einen besonderen Blick auf Jean Jacques Rousseau, der sich wie kein anderer mit der Erziehung und deren Bedeutung für den Menschen in der Gesellschaft unter dem philosophischen Aspekt beschäftigt hat. Eine kurze Biographie über diese wichtige Persönlichkeit und seine Hauptthesen und Ergebnisse seiner Forschung, die er u.a.verschriftlichte, geben uns einen Einblick in das Leben von Rousseau.

 

Die philosophische Anthropologie

Definition

Die philosophische Anthropologie ist die radikalste Wissenschaft, die danach fragt was der Mensch ist: „Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos problematisch geworden ist: in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, dass er es nicht weiß.“

 [2]Sie untersucht die Reflexion über den Menschen, seinen Unterschied zu anderen Lebewesen und seine Stellung und Aufgabe in der Welt. Die philosophische Anthropologie baut auf wichtigen Einzelwissenschaften unserer Zeit auf und integriert deren Ergebnisse in ihre eigene Forschung um das Wesen des Menschen zu bestimmen. Zu diesen relevanten Einzelwissenschaften, die die philosophische Anthropologie beeinflussen gehören, z.B. die Naturwissenschaften ( Biologie, Chemie, Physik), Humanwissenschaften ( Psychologie, Sprachwissenschaft, Ethnologie, Soziologie). Dieser Bereich der Einzelwissenschaften kann ohne weiteres erweitert werden, da die Wissenschaft immer neue Kenntnisse hervorbringt.

Trotz der Abhängigkeit von der philosophischen Anthropologie zu den Einzelwissenschaften, stellt sich die kritische Frage, ob die philosophischen Disziplinen nicht durch die Erkenntnisse der Einzelwissenschaften ausreichend abgedeckt seien. Nehmen wir als Beispiel die Frage: Inwieweit gehört Kultur zur Natur des Menschen?“. Der Begriff Kultur kann nur mit Hilfe der Sozialwissenschaften untersucht werden, während die Natur aus naturwissenschaftlicher Sicht betrachtet werden muss. Jedoch lassen sich die Ergebnisse dieser unterschiedlichen Wissenschaften nicht direkt verbinden und geben keine Antwort auf die gestellte Frage. Die Aufgabe der philosophischen Anthropologie ist es nun die Ergebnisse der Einzelwissenschaften gezielt zusammen zuführen um die Frage zufrieden stellend zu beantworten.

Der Mensch als Mängelwesen

Arnold Gehlen vertritt die Auffassung, dass der Mensch ein „unspezialisiertes Mängelwesen“ ist, das aufgrund seiner besonderen Stellung in der Umwelt dazu gezwungen ist, seine Umgebung an sich anzupassen. Als Erklärung hierfür verdeutlicht Gehlen die Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Das Tier verfügt von Geburt an über grundliegende Instinkte, die seine Bedürfnisse und Handlungen im Leben bestimmen. Der Mensch hingegen bekommt kaum Instinkte vermittelt und ist deshalb darauf angewiesen über seine biologischen Anlagen weiter hinauszugehen um zu überleben. Im Vergleich zu den Tieren ist der Mensch in fast allen Gebieten benachteiligt, da er als eine „normalisierte Frühgeburt“ auf die Welt kommt [3]. Während Tiere schon ausreichend entwickelt und lebensfähig auf die Welt kommen, wird der Mensch sowohl biologisch als auch seelisch unvollständig und unzureichend geboren. Aufgrund seiner Unspezialisiertheit und Unvollständigkeit muss der Mensch als Mängelwesen eine Ersatzwelt erschaffen, nämlich die Kultur um zu überleben. Da der Mensch denkfähig und entscheidungsfähig ist, und außerdem die Fähigkeit besitzt, sich und seine Umwelt objektiv und abstrakt zu betrachten gelingt es ihm, diese Ersatzwelt optimal zu gestalten um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Somit ist die Kultur Grundbaustein der biologischen Konstruktion des Menschen. Deshalb gehört Gehlen zu den wichtigsten Anthropologen überhaupt, weil er sich direkt mit der Defintion des Menschen auseinander gesetzt hat.

Die pädagogische Anthropologie         

Definition

Die pädagogische Anthropologie ist eine der relevanten Einzelwissenschaften, die die philosophische Anthropologie beeinflussen und zum Teil bestimmen. Sie beschäftigt sich insbesondere mit der Frage wie der Mensch als Kind ist und welche Entwicklungsprozesse es durchlaufen muss um am Ende als erwachsener Mensch  zu leben, sie hat außerdem die Aufgabe pädagogische Sinn- und Zielvorstellungen unter anthropologischen Aspekten zu kontrollieren. Da der Mensch von Geburt an erziehungsbedürftig ist ( vgl. Portmann und Gehlen) spielt die Pädagogik eine wichtige Rolle bei der Suche auf die Antwort der Frage: „Was ist der Mensch?“.

Philosophische und pädagogische Anthropologie im Zusammenspiel

Die praktische Anwendung der Philosophie und der philosophischen Anthropologie auf die Erziehung bezeichnet man als Pädagogik. „Pädagogik ist Anwendung philosophischer Einsicht auf eine besondere Situation des menschlichen Lebens.“ [4]  Wenn die Pädagogik sich mit Erfahrungen und mit deren Entstehungen in der Erziehung beschäftigt wird sie zur Erziehungsphilosophie, d.h. Teil der Philosophie. Diese enge Verbindung und Abhängigkeit zwischen diesen beiden Anthropologien ist sehr relevant für den Menschen und unaufhebbar. Die radikale Fragweise der philosophischen Anthropologie was der Mensch ist, kann nicht berücksichtigt werden ohne die Pädagogik mit einzubeziehen. Wiederum kann die pädagogische Anthropologie nicht auf diese Radikalität verzichten, da sie die Ziele und Voraussetzungen für die Pädagogik enthalten. Die Ergebnisse der Einzelwissenschaften, die die philosophische Anthropologie herausfiltert und integriert sind auch für die pädagogische Anthropologie von entscheidender Bedeutung. Die prinzipielle Erziehungsbedürftigkeit des Menschen erklärt diese Annahmen. Der Mensch muss sich erst zum Objekt der philosophischen Anthropologie entwickeln. Er muss erst zu dem werden, was die philosophische Anthropologie untersuchen kann. Deshalb ist die Pädagogik als wichtiger Baustein der Anthropologie zusehen.

Da der Mensch erziehungsbedürftig ist, ist er auf eine systematische Erziehung angewiesen. Die pädagogische Anthropologie und die Pädagogik bieten Richtlinien und Grundlagen dafür. Das hat Kant schon in seinen Vorlesungen dargelegt: „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muss.Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung.Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihn macht. Es ist zu bemerken, dass der Mensch nur durch Menschen erzogen wird, durch Menschen, die ebenfalls erzogen sind.“ [5] Die Erziehungsbedürftigkeit des Menschen wird uns von Tag zu Tag mehr bewusst. Doch wissen wir nicht, wie viel davon schon in den Naturanlagen des Menschen vorhanden ist. Deshalb ist es sinnvoll sich bei dieser Frage mit Gehlens Mängelwesentheorie auseinanderzusetzen. Da der Mensch ein Mängelwesen ist (siehe Abschnitt: „Der Mensch als Mängelwesen&ldquo und eine Ersatzwelt zur Selbsterhaltung benötigt, ist es unvermeidlich, das Menschenkind von klein auf vor den Gefahren und Reizen der Welt zu schützen und es in die Kultur zu integrieren. Das Schaffen von Institutionen und die Entwicklung der Kultur „entlastet“ den Menschen, da er sich nicht mehr um alles was ihn besorgt kümmern muss. Durch Sprache, Kommunikation und Handel integriert er sich geradezu perfekt in das Umfeld und sichert sein Überleben.

 

 

Jean Jaques Rousseau

JeanJacques Rousseau  (geboren am 28. Juni 1712 in Genf, 2.Juli 1778 in Ermenonville bei Paris) war ein französisch-schweizerischer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge und Komponist. Er war einer der einflussreichsten europäischen Autoren des 18. Jahrhunderts. Neben seinen Hauptbeschäftigungen das Komponieren und das Schreiben von Aufklärungsschriften, beschäftigte sich Rousseau auch mit der Pädagogik und verfasste u.a. seinen bis heute noch anerkannten Erziehungsroman „Emil“ [6]. In diesem Roman nimmt Rousseau Emil als sein Modellkind und verdeutlicht und wendet an seine Vorstellungen und Absichten bezüglich der Erziehung. Die Erziehungstheorie von Rousseau basiert auf seiner These, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Er steht deshalb für eine natürliche Erziehung, in der das Kind von allen äußerlichen Einflüssen möglichst isoliert wird. Einer seiner Hauptziele war es die sozialen Instinkte des Kindes, z.B. Kommunikation zu fördern. Zudem betont Rousseau die Eigenständigkeit des zu Erziehenden, aber weist daraufhin, dass am Ende der Wille des zu Erziehenden mit dem Willen des Erziehers übereinstimmen muss. Dieser Erziehungsprozess sollte von dem zu Erziehenden nicht bemerkt werden um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Eine weitere Methode der Erziehungstheorie Rousseaus ist die natürliche Strafe, die im Kontrast zur autoritären Strafe steht. Die natürliche Strafe hat die Absicht dem Kind unmittelbar nach dem Problemverhalten, die Konsequenz zu verdeutlichen und diese auszuleben. Dadurch wird bei dem Kind die nötige Einsicht erreicht um weitere Problemverhalten vorzubeugen.
Da schon zu Lebzeiten Rousseaus klar war, dass die Pädagogik unmittelbar mit der Philosophie und der Anthropologie zusammen hängt, setzte sich Rousseau gezielt mit diesem Zusammenhang und deren Bedeutung für den Menschen auseinander. Die Fragestellung, ob der Mensch von Natur aus gut sei war für Rousseau der Ausgangspunkt. Weil er über die Erkenntnis verfügte, dass man keine philosophische Antwort auf diese Frage geben kann ohne die Pädagogik mit einzubeziehen, benutzte er seine pädagogischen Kenntnisse um das Wesen des Menschen zu begründen.

 

 

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